Stoffverbrauch richtig berechnen: Einlaufquote einplanen
Wer Stoffverbrauch kalkuliert, rechnet meist mit der reinen Schnittfläche. Das ist der klassische Fehler. Zwischen dem, was der Zuschnittplan an Fläche ausweist, und dem, was tatsächlich vom Ballen heruntergeht, liegt eine Lücke, die sich in Metern und damit in Geld ausdrückt. Diese Lücke hat einen Namen: Einlaufquote. Sie beschreibt, wie stark ein Gewebe beim ersten Waschen oder Dampfen schrumpft. Wer sie ignoriert, produziert zu knapp und wundert sich, wenn nach der Fertigstellung die Nahtzugaben nicht mehr reichen oder die Passform kippt.
Die Einlaufquote ist keine Pauschale. Sie hängt von Faserart, Bindung, Webdichte und Ausrüstung ab. Ein grob gewebter Wollstoff kann fünf bis acht Prozent verlieren, ein dicht gewebter Baumwollpopeline eher ein bis drei. Entscheidend ist, dass die Schrumpfung vor dem Zuschnitt passiert, nicht danach. Genau hier setzt das Dekatieren an: Der Stoff wird vor dem Legen gedämpft oder gewaschen, damit er seine endgültige Länge erreicht, bevor die Schere ihn teilt. Wer Stoff vor dem Zuschnitt dekatieren lässt, verschiebt das Risiko vom fertigen Kleidungsstück in die Vorstufe, wo Korrekturen noch günstig sind.
Für die Kalkulation heißt das: Erst messen, dann rechnen. Ein Stoffstück von einem Meter Länge wird nach Herstellerangabe behandelt, getrocknet und erneut gemessen. Die Differenz in Prozent ist die Einlaufquote, die in den Verbrauch einfließt. Bei einem Schnitt, der 1,50 Meter benötigt, und einer Einlaufquote von vier Prozent steigt der Bedarf auf rund 1,56 Meter. Klingt marginal, summiert sich aber über eine Serie von fünfzig Teilen auf drei zusätzliche Meter Stoff. Wer diese drei Meter nicht einplant, kauft sie später nach – oft aus einer anderen Partie mit leicht abweichendem Farbton.
Die Einlaufquote gehört also in jede Kalkulation, egal ob Einzelstück oder Kleinserie. Sie ist kein Puffer für schlechte Planung, sondern eine physikalische Größe, die man messen kann. Wer sie einmal ermittelt hat, rechnet beim nächsten Projekt schneller und genauer. Der Stoffverbrauch bleibt damit eine Zahl, auf die man sich verlassen kann – nicht eine Schätzung, die nach der ersten Wäsche korrigiert werden muss.